Ende des Terrors oder Beginn einer neuen Ära?
Seit vielen Wochen wühle ich gedanklich in den Themen dieser Welt, die es wert sein könnten, wieder einmal einen Artikel zu verfassen. Doch das einzige, was in den vergangenen Tagen scheinbar Brisanz besaß, lächelte uns per Live-Übertragung der vier deutschen TV-Sender oder von dem Aufdruck perfektionierten Kitsch-Porzellans entgegen.
Und nun das! Am Morgen des 2. Mai um kurz nach sieben (auf nüchternen Magen wohlbemerkt) erreicht uns die Nachricht, dass Osama Bin Laden von amerikanischen Streitkräften getötet worden sei. Ein Phantom, das die USA vor knapp zehn Jahren in die Knie zwang, Tausende Menschen töten ließ und dessen Netzwerk dem Begriff des „Terrors“ eine neue Bedeutung verlieh. Die weltweite Freude am heutigen Tag ist unverhohlen, vermutlich zu Recht, und vielerorts wird gejubelt, dass dem Terror nun endlich der Kopf abgeschlagen wurde.
Doch ist Al Qaida nicht vielmehr eine Hydra?
Barack Obamas Worte an sein Volk sind derweil mit Bedacht gewählt. An den Beginn seiner Rede im Weißen Haus stellt er das Leid der Amerikaner, das durch den 11. September 2001 verursacht wurde sowie die stille Verzweiflung derer, die sich letzten Endes zu „einer großen amerikanischen Familie“ verbündeten. Der Tod Bin Ladens habe für ihn sowie für die USA immer oberste Priorität besessen, so Präsident Obama. Interessant, das aus dem Munde eines Friedensnobelpreisträgers zu hören – ganz gleich, wie edel seine Absichten auch sein mögen.
Darüber hinaus stehen aber insbesondere zwei Aspekte im Mittelpunkt seiner Rede: „Gerechtigkeit“ sowie der Verweis darauf, dass kein Krieg gegen den Islam, sondern gegen einen Massenmörder geführt wurde. Dies ist klug, um eventuell aufkommende Wogen im Nahen Osten zu ersticken und die Allianz zu festigen. Vielleicht kann sogar ein neues Kapitel dieses Bündnisses begonnen werden und der Krieg sich dem Ende neigen. Ein bescheidener Wunsch im Schatten der Vergeltung.
Doch was bleibt, wenn das Fähnchenschwenken vor dem Weißen Haus beendet ist? Weltweit stehen amerikanische Botschaften in Alarmbereitschaft, da sie die Racheakte der Islamisten fürchten. Zweifelsohne rumort es im Untergrund des Terrors und es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis zu einem erneuten Schlag gegen die westliche Welt ausgeholt wird – ein Nährboden für Verschwörungstheorien jeder Art. Apropos: Weiß jemand eventuell, womit die DNA der Leiche verglichen wurde, um Bin Laden innerhalb weniger Stunden zu identifizieren? Vielleicht diente einer seiner getöteten Söhne als Vergleichsprobe. Doch nachdem sich das erste Beweisfoto des toten Bin Ladens als gut gemeinte Photoshop-Arbeit erwies, bleibt dies zunächst offen.
Ich gebe zu, neutral sind diese Zeilen sicher nicht. Hierbei sollen sie jedoch in keinem Fall den Anschein erwecken, dass ich am Ende gar die Aktivitäten des Terrors billigend in Kauf nehme. Wer weiß, wie ich am heutigen Tag reagiert hätte, wäre meine Familie unmittelbar vom Terror betroffen gewesen.
Doch was maßen wir uns eigentlich an? Unsere Einteilung der Welt in Schwarz und Weiß, Gut und Böse gestattet uns, einen Mord mit „zivilisierten“ Absichten gerechter erscheinen zu lassen als denjenigen, der unseren Wertvorstellungen gänzlich widerspricht. Dabei scheint die beiden Lager auf bizarre Art und Weise viel mehr zu verbinden, als es zunächst den Anschein erweckt. So sagte Bin Laden einst in einer seiner Videobotschaften:
„While I was looking at those destroyed towers in Lebanon, it occurred to me to punish the unjust one in a similar manner by destroying towers in the United States so that it would feel some of what we felt and to be deterred from killing our children and women…“
(Quelle: http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/3966817.stm)
Sobald das Wort „Libanon“ gegen „Vereinigte Staaten“ ausgetauscht würde, könnte der Redner ein ganz anderer sein…
Und so bleibt eine innere Zerrissenheit über das Geschehene. Wir feiern heute weder Frieden, noch Befreiung. Das einzige, was uns bleibt, ist der Wunsch nach einkehrender Ruhe sowie die Freude an verübter Rache – für diejenigen, deren Tod wir ohnehin nicht ungeschehen machen können.
Ein Leserkommentar, den ich heute entdeckt habe, beschreibt den schwelenden Beigeschmack des Ganzen vielleicht recht gut: „Makaber, wenn Tausende bei einer Hinrichtung feiern, als ginge es um den Superbowl.“
Und genau das macht mir Angst.
http://www.whitehouse.gov/photos-and-video/video/2011/05/01/president-obama-death-osama-bin-laden








Da sagst Du was – mir auch…
HI ALEX,
DU BIST DER BESTE!!!
Es ist schon verrückt was heute passierte, auch wenn ich die Glaubwürdigkeit dieser Nachricht anzweifle. Wie of hieß es nicht schon Osama sei gefasst, kurzdarauf wieder frei… Ich glaube das es gut möglich ist das uns hier wieder ein lügenmärchen untergejubelt wird. Zudem: die feiern als sei der Friede garantiert, wo jetzt der scheinbar berümtesten/bekanntesten Terror-Vereinigung alkaida der ‘kopf’ abgeschlagen wurde. Doch wird das nicht lange währen. Wenn das stimmt das die momentan ohne Führung sind, macht erstmal jeder seinen Schlachtplan und irgendwann in den kommenden Tagen (wenn’s nicht schon passiert ist) setzen die viele dieser Ideen zusammen für einen erneuten Schlag gegen die USA… Ich versteh es nicht, alles was die mit dem seinem Tod erreicht haben ist ein noch größerer zorn dieser ‘kameltreiber’ da unten. Aber was soll man tun? Das Ziel sollte die Vereinigung und nicht etwa der Kopf dieser sein-zumindest nicht am Anfang! Und die feiern—nein, irgendwo machen die genau das selbe, und nur weil die anfingen, rechtfertigt das den Rückschlag auf selbe niveaulose Art? Wir alle haben diesen Zirkus irgendwann im Kindergarten Schonmal erlebt, nur das im Kindergarten die Fläche deutlich kleiner war und was damals Sand war, ist in der globalisierten kindergartenausführung schweres geschützt. Primitiv bis zu letzt und sowas nennt sich Regierung? Blamabel!!!