Ein neuer Artikel meiner lieben Kollegin Jana, viel Spaß!
Ich persönlich habe das mit Männern und Frauen immer für eine gewaltige Fehlkonstruktion gehalten. Nicht, dass irgendeiner von beiden Schuld an dieser Misere hätte. Doch wenn man die Wesen jener Geschlechter miteinander vergleichen würde, wäre der Mann vermutlich das gut strukturierte Netz von amerikanischen Highways, während die Frau eine mit Rikschas überfüllte Straße in Bangalore zur Rush Hour verkörpert. Oder umgekehrt. Es passt jedenfalls nicht.
Nun trifft es sich, dass entweder ein übermenschliches Wesen oder aber das Vorhandensein gut funktionierender Hormondrüsen ein ominöses Etwas namens „Liebe“ mit ins Spiel bringt, das diesen Umstand über mehr oder minder weite Strecken erträglich macht. Leider befindet sich jenes System seit rund 2000 Jahren in der Beta-Phase. Anders als beim einwandfrei laufenden Tochterunternehmen „Sex AG“ plagt sich die Liebe bisweilen mit zahlreichen Bugs wie „Wir müssen reden“, „Ich geh kurz Zigaretten holen“ oder „Nie hörst du mir zu“ herumplagen. Und um dem Ganzen die Krone der Schöpfung aufzusetzen, initiierte die Industrie fett machender Süßwaren sowie roter Rosen vor langer Zeit einen Tag, um sich selbst und den Kommerz zu feiern: Valentinstag.
Valentinstag bedeutet im Allgemeinen 24 Stunden lang unbegrenzte Möglichkeiten mit 50:50 Chance: Wutausbruch oder Freudenschrei, Romantik oder Beziehungskrise, Kurzurlaub in Paris oder der verzweifelte Versuch, sich in einem Flachspülklosett zu ertränken. Ich meinerseits schwanke im Jahr 2011 zwischen den Optionen „glückliche Pärchen im Park erschießen“ und „Flucht auf eine Hütte in den schottischen Highlands“, wobei hierbei der Gedanke an Dosenbohnen und dem Übernachten zwischen 5000 Schafen auf einem Quadratkilometer nicht allzu verlockend ist. Weise Menschen rieten mir im Vorfeld, diesen Tag über mich ergehen zu lassen wie eine Tastuntersuchung des Enddarms – einfach warten, bis es vorbei ist*. Ich hingegen sage: Wenn man diesen Tag schon nicht im Geringsten ignorieren kann, hilft zumindest eine Instant-Portion Galgenhumor, um ihn zu überleben. Bis er 365 Tage später wie ein hartnäckiger Herpes-Virus erneut auftritt. Das Schöne an der ganzen Sache: Sowohl Paare als auch Singles stecken bis zur Hüfte im Treibsand der Romantik. Oder?
*Nicht, dass ich jemals eine gehabt hätte.
Situation 1, Kategorie „Single“: Wie man eine Valentins-Party überlebt
Ganz einfach: Indem man nicht hingeht. Doch im Angesicht wohlgemeinter Ratschläge von Freunden, die selbst ihr letztes Date 1998 in einer verranzten Karaoke-Bar in Oklahoma hatten, fällt es natürlich schwer, die Einladung anderer abzulehnen.
So steht man also Mitte Februar um 20 Uhr in seinem mit größter Sorgfalt ausgesuchten Outfit vor der Haustür des Gastgebers. Bereit, sein Liebesleben auf Omas silberner Tortenplatte zu präsentieren.
Betritt man die Höhle des Löwen, zeichnen sich sofort drei verschiedene Typen von alleinstehenden Partygästen ab:
- Singles, die vortäuschen, keine zu sein (Achtung! Das Mitbringen des angeblichen Lebenspartners in Form eines homosexuellen Floristen könnte unter Umständen bei der Frage „Wer von euch möchte Sekt?“ auffliegen!)
- Singles auf verzweifelter Suche: Oft zu erkennen an den nervösen Schweißflecken im Achselbereich, non-stop Gerede über ihre aufregendsten Erlebnisse zwischen 1990 und 2000 (chronologisch) sowie dem unnatürlichen Lachen über die Witze ihres Gesprächspartners, die nicht als solche gemeint waren.
- Die „Mitgeschleppten“: Singles, die noch nie Bock auf derlei Veranstaltungen hatten, doch dem sozialen Zwang erliegen und dennoch hingehen. 75% des verzehrten Alkohols geht meist auf ihre Rechnung, während sie mit hängenden Schultern in irgendeiner Zimmer-Ecke herumlungern und gegen 22 Uhr nach Hause gehen, da angeblich die Analfisteln ihrer Katze gesalbt werden müssen.
Meistens sind Vertreter aller drei Kategorien auf einer Valentins-Party vertreten, was zur Folge hat, dass man entweder mit Kollateralschäden oder zumindest einer flüchtigen Liebschaft den Abend beschließt. Oder beidem. In jedem Fall „erlebenswert“.
Situation 2, Kategorie „Pärchen“: Dinner for two
In ihrem Kopf ist alles perfekt: Das Licht gedimmt, der Weißwein wohl temperiert und ihre Magensäfte ganz aus dem Häuschen, weil jene sich in heller Vorfreude auf das von ihm zubereitete Seeteufel-Filet ihre Lätzchen umbinden.
In seinem Kopf ist auch alles perfekt: Paniertes Schnitzel, Tüte Pommes und ‘n kühles Blondes. Doch er legt sich ins Zeug, um seine Herzdame glücklich zu stimmen.
Zugegeben, es mag etwas klischeehaft daherkommen. Und dennoch bleibt ein Grundsatz bestehen: Nie geht so oft so etwas schief als bei dem Versuch, das vermeintlich Beste anzustreben. Ich würde freiwillig meine heiß geliebten „Dr. House“-Staffeln aus dem Fenster werfen, wenn es nur einmal im wahren Leben möglich wäre, für diesen Abend einen Split-Screen mit den „Erwartungen“ auf der linken sowie der „Realität“ auf der rechten Seite bestaunen zu können.
Wahrscheinlich wäre die weibliche Protagonistin auf Seiten der Erwartungen regelrecht entzückt über seine Hingabe und vollendete Johann-Lafer-Kochkunst, die er unter Einsatz seines Lebens die restlichen 364 Tage des Jahres geheim hält. Die „Realität“-Seite hingegen offenbart eine verbrannte Lasagne, in deren Vulkankrater-ähnlichen Käsekruste immerhin ein mit Liebe eingeritztes Herz zu erkennen ist, welches ihr allerdings nichts weiter als ein „Du hast dich redlich bemüht“-Lächeln entlockt. Das Einzige, was an diesem Abend noch bei den beiden Turteltauben herausgeholt wird, ist die Liste mit den Top 10 der umliegenden Lieferanten.
Eine wahrhaft pessimistische Ausarbeitung des Valentins-Abends, wobei ich zusätzlich der Männerschaft einen Mangel an Kochvermögen unterjubel (sorry!). Falls also am Ende bei euch „Erwartung“ und „Realität“ die Seiten wechseln oder sich gar eine interessante Mischung aus beidem entwickelt, lasst es mich wissen! (Doch bitte nur mit jugendfreiem Informationsgehalt, schließlich stehen auch wir im Dienste des Bildungsauftrags.)
Situation 3: Hit the bar or hit the fridge? Die Valentins-Emos
Willkommen im Musikantenstadl der Valentinstags-Typen, in dem sich von der Liebe verlassene Mumiengestalten im sanften Takt von „She’s like the wind“ gemeinsam in die Depression schunkeln. Besonders hart trifft es in dieser Kategorie jene, die in den kritischen zwei Wochen vor Valentinstag von ihrem Partner verlassen wurden und eigentlich umgehend von Edmund Stoiber zum Abschuss freigegeben werden könnten. Doch sowohl Männlein als auch Weiblein haben in dieser Sparte einen Klassiker vorzuweisen:
♀:
Im modischen Sackpullover, der in abgemildeter Form aus einschlägigen Werbespots für Eiscreme bekannt ist, mümmelt sich das Valentins-Emo weiblicherseits ungeschminkt mit Yogi-Tee oder Vodka auf die Couch, um sich ohne Unterbrechung alle sieben Staffeln der „Gilmore Girls“ reinzuziehen. Zur Not im zweiten Durchgang noch mal auf Swahili, weil die Drehbücher so qualitativ hochwertig sind. Gerne wird an diesem Abend die beste Freundin angerufen, um ihr unter Tränen im Minutentakt die just laufende Szene zu erläutern, die an vermeintlich wahrer Liebe (=Realitätsferne) nicht zu übertreffen ist. Die kulinarischen Begleiter an diesem Abend sind zahl- und facettenreich, wodurch es schwer fällt, eine charakteristische Auswahl für das weibliche Valentins-Emo zu treffen. Von Silberzwiebeln bis Sachertorte ist im Allgemeinen alles möglich. Solange es nur schwer verdaulich ist und fett macht.
♂:
In dieser Sparte sehen wir uns mit einem wahren Gentleman konfrontiert, der sich unter Einfluss von Alkohol und Frustration höchsten Grades in eine Fleisch gewordene Mischung aus Hulk und Daniel Küblböck verwandelt. Im besten Fall ist hierbei mit verbalen Drohungen gegen den Barmann zu rechnen, im schlimmsten entwickelt sich eine Prügelei ungeahnten Ausmaßes, bei der das Opfer aufgrund mangelnder Kontrolle über seine Körperfunktionen vom erstbesten Tresennachbarn einen Durchbruch der Nasenscheidewand verpasst bekommt. Sollte Letzteres eintreffen, wird das männliche Valentins-Emo erst am 16. Februar zu den Klängen von „Spiel mir das Lied vom Tod“ wieder erwachen, wobei es nach dem Verdrücken der ein oder anderen Mitleids-Träne zum altbewährten Freund „Kopfschmerztablette“ greift. Regenerations-Zeitraum: Zwei bis vier Tage.
Ich habe ja den dunklen Verdacht, dass es in Wahrheit zirka sechs Milliarden verschiedene “Valentinstags-Typen” gibt, die sich leider hier nicht vollständig aufzählen lassen. Alles in allem lässt sich jedoch festhalten, dass wir höchstwahrscheinlich auch im Jahr 2011 den Black Friday der Beziehungspflege überleben werden. Bei intensiverer Betrachtung können wir vielleicht sogar feststellen, dass es gar nicht diesen besonderen Tag braucht, um das Positive als auch Negative zu erfahren, was sich über die vergangen 5103 Zeilen erstreckt hat. Und mal ganz ehrlich: Auch, wenn wir manchmal auf den Brustwarzen kriechen bei dem, was uns die Liebe so antut – ohne sie wär’s doch grottenlangweilig in unserem Leben.








Hi Jana,
wirklich sehr schön der Artikel. Macht Spaß zu lesen
Gibt’s da noch mehr von?
Gruß, Marvin
Sehr schön geschrieben! Weiter so.
Grüße
Ossilie
Hi Jana,
1. Was für ein genialer Artikel. Ich habe wirklich Tränen gelacht.
2. Am besten klappt der Valentinstag wenn man sich nichts vornimmt und spontan ist. – Meine Meinung