Teil 1: Alex auf der Cebit 2010 – Ein Bericht

Mrz 06, 2010 2 Comments by Alex

Es gibt sicherlich einige Berichte über die Cebit 2010 in Hannover. Aber ich denke, es wird keinen bzw. nur sehr wenige Berichte geben, die wirklich ehrlich, unabhängig und persönlich denen Gang zur Cebit erzählen. Ohne pompöses Gequatsche durch gute Bezahlungen von bestimmten Herstellern, damit Produkte jenseits des Himmels gelobt werden.
Mit meinem Bericht versuche ich euch einen kleinen Einblick in mein Leben, meine Gedanken und natürlich meinen Aufenthalt auf der Cebit 2010 zu geben. Es erwarten euch sicherlich einige spannende Leseminuten.

Bereits im Vorweld war die Organisation der Reise zur Cebit recht chaotisch. Mein Kooperationspartner (GameReport) rief mich einen Tag zuvor (nachmittags, am 03.03.2010) an und fragte mich, ob ich nicht morgen (04.03.) auf die Cebit mit wolle. Es gäbe heiße Interviews zu führen, spannende Eindrücke zu gewinnen und interessante Erfahrungen zu sammeln. Immerhin, es warten die ESL, Intel und Fatal1ty. Natürlich war ich von Anfang an hell auf begeistert und sagte sofort zu. Jedoch bedachte ich nicht, dass der “Cebit-Tag” bereits mit anderen Terminen vollgestopft war. Also, was sollte ich nun tun? Zumal es so spontan war? Ganz einfach, Prioritäten setzen! Ich versuchte im Eiltempo Termine abzusagen bzw. zu verschieben. Sogar noch am frühen Morgen des Cebit-Tages setzte ich mich mit geschätzten Kollegen zusammen und besprach die derzeitige Lage. Dabei machte ich mal wieder eine, sagen wir mal sehr “interessante” Entdeckung: Zwischenmenschlichkeit. Es ist fast schon magisch, was persönliche, direkte Gespräche von Mensch zu Mensch bewirken können und es ist manchmal gar magisch, wie es sich anfühlt. Besser als jede Kommunikation über Skype oder Twitter. Einen realen Gesprächspartner kann nichts ersetzen.

Ich hatte nun sozusagen das grüne Licht, das “GO” für die Cebit. Also Richtung Hamburg Hauptbahnhof. Nebenher entdeckte ich jemanden ohne Kopf. Ja, tatsächlich.

Meine eigentliche Abreisezeit war für 07:01 geplant, schaffte es im Endeffekt dann jedoch erst um 8:28 in den Zug zu hechten. Es war ein IC, klapperig wie immer, vom Gleis 13 a/b am Hamburger Hauptbahnhof. Eigentlich hätte ich mir die am Automaten umständliche Sitzplatzreservierung sparen können, denn der Zug war verhältnismäßig leer.
Ich saß im Wagen 9 auf Platz 68 am Gang – eine gute Wahl. Ich hatte von hier aus eine fantastische Aussicht, da ich keinen Sitznachbarn hatte. Die Sonne strahlte mich an, es war herrlich warm. Einziges Manko: Ich fuhr rückwärts. Aus irgendeinem Grund bin ich kein Fan von rückwärts Bahn fahren. Ich holte mein Notizbuch raus und begann mit einem alten aber, für mich, wertvollen Kugelschreiber diesen Artikel zu skizzieren. Ganz oldschool ohne, wie sonst, wild in die Tasten eines Computers zu hämmern. Ihr glaubt gar nicht, wie schön das ist und wie konzentriert man plötzlich schreiben kann.
Nach einer Weile rummste und krachte es aus dem Nachbarwagen Nummer 8. Und dann wieder. Es war um meine Konzentration geschehen. Die Lautsprecher für die Durchsagen des Zugpersonals knackste plötzlich laut und eine recht aufgebrachte weibliche Version des Zugpersonals (oder auch “Schaffnerin”) drückte folgende Aussage durch die Lautsprecher: “Sehr geehrte Fahrgäste, falls sich ein Arzt an Board befinden sollte, begeben sie sich bitte schnellstmöglich in Wagen 8. Ich wiederhole…”
Nanu, was mag da nur vorgefallen sein? Neugierig, wie ich bin, wagte ich einen Blick in Wagen Nummer 8. Ich bemerkte erst etwas später, dass eine Schaffnerin neben mir stand, in der Hoffnung, ich sei Arzt.
Auf dem Boden lag eine relativ junge Frau, vielleicht Mitte 30. Ihre Arme wurden von einem Fahrgast hoch gehalten, sie hatte kein Oberteil mehr an. Sie schien keine Luft mehr zu bekommen. Plötzlich stupste mich die Schaffnerin an (erst jetzt bemerkte ich sie auch) und fragte mich, ob ich helfen könne. Ich musste leider verneinen, sah aber, dass bereits aus anderer Richtung kompetentes Person durch eine größere Anzahl an Zugpersonal, zu der am Boden liegenden Frau begleitet wurde. Bevor ich noch als Schaulustiger den Stempel bekomme, verschwand ich wieder schnell in meinem Wagen, auf meinem Platz.
Der Zug verließ mittlerweile die Haltestelle “Celle” und mir überkam die Müdigkeit. Also dachte ich mir: Notizbuch zuklappen, von der Sonne berieseln lassen und die restliche Fahrt mit geschlossenen Augen genießen.

Ding! – Pünktlich um 10:06 wurde ich aus dem (merkwürdigen) Schlaf gerissen, denn wir waren da. Hannover Messe (Laatze). Während ich noch mit verklebten Augen die aufbrechenden Leute inspizierte, fiel mir auf, dass mich meine unmittelbaren Sitznachbarn (vor/hinter mir) sehr grimmig anschauten. Ich vernahm beim Packen meiner Tasche nur irgendetwas mit “schnarchen” und “laut” – das kann nicht sein.
Raus aus dem Zug und rein ins Vergnügen… bzw. vielmehr in die Arbeit. Aber so einfach sollte es noch nicht werden. Am Fuße der Bahnhaltestelle in Richtung Cebit wurde man (natürlich) zuerst von Ausgesandten der Cebit empfangen… oder auch nicht. Jedem ehem. Fahrgast und zukünftigen Besucher wurde eine kostenlose CHIP oder auch eine kostenlose Probe von “sonst irgendwas” angeboten. Nur ich wurde übergangen. Ich wurde nicht mal angeschaut. Ich fragte mich allmählich: “Bin ich unsichtbar? Oder gar tot? Oder liegt es an meiner Mütze?”
Neben all diesen netten Menschen mit kostenlosen Giveaways standen, wie eh und je, Imbissbuden (oder salopp Fressbuden). Wie schön, dass an die hungrigen Fahrgäste gedacht wird, da es in der Bahn ja meist viel zu teuer ist. Deswegen kauft man sich lieber eine Brezel am Bahnhof für schlappe 4 statt 0,99 EUR.
Nach dieser kurzen Inspektion ging es nun weiter Richtung Skywalk, der Übergang vom Bahnhof zur Messe. Überdacht, versteht sich.

Endlich am Ende des Skywalks angelangt, stand ich nun vor dem Eingang West 1, dessen Dachform jeden alles aus allen Ecken genau hören lässt (genau lesen den Satz). Tolle Akustik! Geheimnisse sind hier nicht überlebensfähig. Hach, und die Sonne, schön!
Ich hatte nun drei Probleme: Eine (wohl hässliche) Mütze auf, ungestylte Harre und keine Eintrittskarte. Wie hieß es noch zu Beginn? Richtig! Prioritäten setzen! Ich stiefelte also Richtung Toilette, irgendwo in einer Ecke und breitete meine Kulturtasche aus. Mütze runter, Haare gelen und fertig! Hat ja nur fast 20 min. gedauert. Ich ging direkt zurück zum Eingang und rief mein Team an, das bereits auf dem Cebit Gelände unterwegs war. “Hey Tobi, ich bin nun da! Kannste du mir meine Eintrittskarte rausgeben?”, “Wir sind ganz oben, Eingang Nord 1, komm doch zu uns!”, “Ja wie denn, soll ich außen herum über die Autobahn laufen?”, “Oh, ja gut, wir sind in paar Minuten da!”.
Etwa 15 min. später, durfte ich meine Lieblingspappnasen auch schon in die Arme nehmen und meine Fachbesucher Eintrittskarte zwischen die Finger schnappen. Ab durch das Drehkreuz! Die Jungs kamen aus der Halle 23 und berichteten mir auf dem Weg zurück dorthin ihre bisherigen Erlebnisse: Warten. Cool!
Endlich in Halle 23 angekommen, durfte ich auch schon den wartenden Rest der Truppe herzlichst begrüßen. Wenige Augenblicke später, wurde mir dann von dem Kollegen Fabian mein Presseausweis, wie bei einer Medaillenvergabe, um meinen hals gehängt. Ist er nicht schön? (Video)

Einen kurzen Augenblick später kam auch schon der Kollege von “Turtle Entertainment” zu uns gestoßen. Ein wahrhaftiges Goldstück, wie sich später herausstellen sollte.
Wir besprachen also nun gemeinsam den Tagesablauf: Wer wird interviewt? Was für Eindrücke sollen festgehalten werden? Wie sind die Termine der World Championchips auf der ESL Bühne? Kriegen wir Fatality vor die Kamera? Fahren wir in diesem schicken Formel 1 Auto mit? Fragen über Fragen, die letztendlich mit einer einzige Antwort vom Tisch waren: Wir machen erstmal die Anmoderation. Hübsche Aussicht von unserer Anmod-Position, nicht wahr?

Zack, da war die Anmod im Kasten. Wir stiefelten wieder die Treppe hinunter und inspizierten weiter die Halle: Eine große Bühne von Intel und der ESL, ein schicker Hummer (natürlich getuned) von XMG, hübsche Pokale für die Gewinner der World Championchip in den Kategorien Counterstrike, World of Warcraft und Quake Live uvm.


Nach erfolgreicher Inspektion vereinbarten wir uns zu trennen, vorerst, denn wir verabredeten uns schon für 13 Uhr, um lecker gemeinsam etwas essen zu gehen. Nun, bis dahin erledigte jeder seinen Auftrag. Mein Kameramann und ich liefern weiter in Halle 23 umher, um Emotionen des laufenden Counter-Strike Events auf der ESL Bühne einzufangen. Gar nicht so leicht, wie vorher angenommen. Aber, nach längerem Warten, war eigentlich alles möglich. Plötzlich war es 13 Uhr und wir stiefelten los, um uns die Bäuchlein vollzuschlagen. Doch, da wir eigentlich gar keine Ahnung hatten, wohin es gehen sollte, saßen wir für ein paar Minunten wieder im “CREW” Raum, um bei einer viel zu kalten Spezi die Lage zu besprechen. Wir entschieden uns im Endeffekt für einen Abstecher in der “China Lounge” oder realistisch ausgedrückt: Für eine Asia-Food-Imbiss-Theke in der “Wir-Kopieren-Alle-Produkte” Halle der fernöstlichen Mitmenschen. Es roch zwar himmlisch, aber im Nachhinein mussten wir gemeinsam feststellen, dass die 7,50 EUR für Nudeln mit Chicken genau so gut ins Klo gespült hätten können. Es war ekelhaft. Knackiges Gemüse? Fehlanzeige! Knackiger Basmati Reis? Milchreis! Bambus? Nein! Mehr muss ich dazu nicht sagen.

Mit nun 7,50 EUR weniger in der Tasche dafür reich an Magenschmerzen traten wir aus dem “CREW” Raum, in dem wir speisten, um uns den “Tech-Talk” anzuschauen. Dieser “Tech-Talk” war für uns eigentlich ziemlich interessant, denn gegen 13:45 Uhr sollte der berühmteste und erfolgreichste Gamer der Welt auftreten: Fataliy (Fatal1ty). Und wer sollte ihn dann interviewen? Richtig, wir! Mit schweißnassen Händen und Konfirmandenblase wartete ich also auf das Ende der Tech-Talk Show, die von einer Art 9Live-Moderations-Abfall geführt wurde. Der Typ erinnerte mich ein bisschen an den Jürgen Milski, oder auch von Fernsehkritik.tv liebevoll (wie wahr) “Abzocker” genannt.

Doch, wie wird es weitergehen? Schafft Alex das Interview mit Fatality? Oder bekommt er vorher doch weiche Knie? Und was haben dicke Bäuche mit engen Autos zu tun? Das erfahrt ihr in Teil 2, morgen, auf alextv media.

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About the author

Alex ist freiberuflicher Mediengestalter, Moderator und Sprecher. Er unterhält viele Projekte mit seiner eigenen Agentur, unter anderem auch alextv media. Ihr könnt Alex stets über Twitter oder seiner Homepage erreichen.

2 Responses to “Teil 1: Alex auf der Cebit 2010 – Ein Bericht”

  1. Andivista Info und Technikblog » Blog Archive » Sleipnir Browser says:

    [...] Auch Alex ( @alextv ) war auf der Cebit und berichtet auf seiner Seite AlexTV.de von seinen Erlebnissen [...]

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