Können Terroranschläge in Flugzeugen verhindert werden, wenn Menschen aufs Intimste durchleuchtet werden? Welche Gefahren bergen Nacktscanner?
Nach dem in letzter Minute vereitelten Terroranschlag eines Nigerianers wird nun wieder heiß über die Einführung von Nacktscannern diskutiert. In diesem Falle hätte sich wohl, der am Bein des Nigerianers befestigte Sprengsatz, erkennen lassen.
Wenn wir durch elektromagnetische Strahlung bis auf die Haut durchleuchtet werden, erhöhen sich sicherlich die Chancen versteckte Sprengsätze zu erkennen und damit könnte dann auch die Sicherheit im Luftverkehr steigen. Doch es ist fragwürdig, ob es zugelassen werden sollte, dass jeder Körper auf einem Monitor sichtbar wird. Auch wenn die Gesichter nicht zu erkennen sind, alles andere kann angesehen werden. So sitzen beim Nacktscannen Kontrolleure in einem separaten Raum, von dem aus sie die realen Personen, und damit das zum nackten Körper gehörende Gesicht, gar nicht sehen können. Da einige Menschen und besonders Prominente einen Missbrauch ihrer Nacktbilder befürchten, soll der Ganzkörperscan doch freiwillig bleiben, Das bedeutet aber nur, dass anstelle des Körperscans eine Leibesvisitation durchgeführt wird, bei der man sich auch bis auf die Unterwäsche entkleiden muss.
Auch wenn Nacktscanner und Leibesvisitation das Fliegen vielleicht sicherer machen, wer sagt uns, dass es nicht noch andere Möglichkeiten gibt, Sprengsätze an Bord zu schmuggeln? Bisher hätten wir vieles nicht für möglich gehalten und doch kann durch Nachlässigkeit immer wieder etwas passieren.
Es geht aber nicht nur um die Wahrung unser Intimsphäre sondern auch darum, ob sich gesundheitliche Risiken, zum Beispiel für vielreisende Geschäftleute ergeben können? Dazu möchte ich auch die Methoden vorstellen, mit denen Ganzkörperscans funktionieren.
Bisher gibt es beim Ganzkörperscan zwei erprobte Techniken. Bei der einen Methode werden mit schwachen, im Gegensatz zu den herkömmlichen angewandten Röntgenverfahren und möglichst breit gestreuten Röntgenstrahlen, die Körperkonturen sichtbar gemacht. Hierbei spricht man von der Backscatter-Methode, die auch mit Terahertzwellen-Bestrahlung funktioniert. Diese Wellen bezeichnet man auch als Superstrahlen, weil sie Hautkrebs schonend erkennen, Keramikwaffen unter der Kleidung oder auch Milzbrand-Erreger in Briefen aufspüren können.
Für Passagiere am Flughafen würden die Strahlen bedeuteten, dass diese beim Vortreten vor die Linse die Kleidung durchstrahlen, nicht aber den Körper selbst. Auf dem Kamerabild erscheint er nackt, sogar Keramikwaffen oder Plastiksprengstoff zeichnen sich deswegen ab, selbst wenn diese direkt am Körper getragen werden. Damit die Intimsphäre geschützt wird, sollten die Bilder automatisch ausgewertet werden, ohne dass das Sicherheitspersonal sie überhaupt zu Gesicht bekommt. Für die Anwendung beim Sicherheitscheck auf Flughäfen dauert das Abtasten durch die Kameras allerdings noch zu lange, die Leistung der Kameras ist bisher nicht hoch genug. Ein weiteres Problem ist, dass Terahertz-Wellen von Wasser absorbiert werden: Wenn jemand stark schwitzt oder in einen Regenschauer gerät, kann man ihm nicht mehr durch die nasse oder feuchte Kleidung leuchten.
Außer der Methode mit Röntgen- oder Terahertzbestrahlung gibt es noch eine weitere, die in Amerika auch schon im Einsatz ist. Hier wird mit der Millimeterwellen-Technik gearbeitet. Millimeterwellen sind elektromagnetische Wellen, die zu den Mikrowellen gehören. Diese Art Ganzkörperscanner wird auch in Europa auf Flughäfen in Amsterdam, Zürich und London getestet und in Deutschland diskutiert.
Durch elektromagnetische Strahlung entsteht auch hier ein dreidimensionales Bild des Fluggastes. Zum Verfahren: In der Sicherheitsschleuse werden Millimeterwellen von zwei gegenüberliegenden Antennen, die um den Körper rotieren, auf den Flugpassagier geworfen. Die Wellen werden vom Körper und von anderen Gegenständen reflektiert. Durch die Reflexion werden so die Konturen des Körpers und aller am Körper befestigter Gegenstände sichtbar, ungeachtet ihrer materiellen Beschaffenheit: Waffen, allerdings auch Prothesen, Implantate und Konturen der Genitalien. Angeblich sind die Strahlen nicht so stark wie Handystrahlung und deshalb auch ungefährlich für die Gesundheit.
Betrachtet man also nun die Verfahren, lässt sich schon erkennen, dass sie nicht mehr gesundheitliche Gefahren zu bergen scheinen, als Handys, schnurlose Telefone oder auch WLAN-Router. Man mag sich jedoch fragen dabei, ob die Röntgenstrahlung wirklich so schwach und damit ungefährlich ist. Allerdings scheinen die gesundheitlichen Risiken weniger schwer zu wiegen, als die Verletzung der Intimsphäre.




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