Realität 2.0 – Wird unser Leben bald Fiktion?

Max 9. Dezember 2009 6

Web 1.0, 2.0, 3.0, 4.0… wahrscheinlich könnte es endlos so weitergehen, doch nun kommt etwas Neues, etwas, was es bisher so noch nicht gab.  Nach der rasanten Entwicklung des Internets, in der wir uns selber schon zu verlieren scheinen, soll jetzt das Outernet die Welt erobern und gänzlich digitalisieren.

Im Outernet sollen Technik und Mensch verschmelzen, dabei drohen Fiktion und Realität miteinander eins zu werden.  Wer soll sich da noch zurecht finden? Informationen sollen immer und überall abrufbar sein? Noch mehr als jetzt? Ja das geht! Jeder soll mit jedem vernetzt sein sowie immer online und für andere kontaktierbar.  Aber was ist dieses Outernet? Was verspricht es uns?

Die wesentliche Triebkraft des Outernets ist die Lokalisierung, denn sie ist nicht nur Voraussetzung für viele Outernet-Anwendungen, sondern auch für eine Verknüpfung der digitalen mit der realen Welt. Durch GPS, WLAN und neue Satellitennavigationssysteme soll es möglich sein, Menschen und Dinge metergenau orten zu können und Verknüpfungen herzustellen. Alltagsgegenstände können wie Hyperlinks auf dem Handy angeklickt werden und dadurch erhält man in Sekundenschnelle die wichtigsten Informationen zu dem, was man gerade vor Augen hat. Ein weitere Neuigkeit werden Sensoren sein, die Temperatur, Helligkeit, Geräuschpegel oder Druck aufs Genauste bestimmen können. Man muss also nicht nur nicht mehr denken können, sondern auch aufs Wahrnehmen darf verzichtet werden, da die eigenen Sinnesorgane durch die des persönlichen mobile phones ersetzt werden.

Um diese Dinge real werden zu lassen, bedarf es einer neuen, intelligenten Informationsverarbeitung, damit ist das Smart Web gemeint. Dazu gehören Suchmaschinen, die Informationen semantisch verstehen und Zeit, Ort, Benutzerprofil mit einbeziehen und somit die Treffgenauigkeit und Relevanz von Suchergebnissen erhöhen. Mobile  Geräte werden in der Zukunft intuitiv zu bedienen sein: Dabei ist das iPhone, mit seinen Multitouch-Funktionen ist erst der Anfang. Diese Technik wir erweitert werden durch Technologien wie Gestensteuerung, Gesichtserkennung und haptischen Displays, die nicht nur leistungsfähiger sind, sondern auch immer kleiner werden. Durch Augmented Reality (AR) kommt es zu einer virtuellen Erweiterung der Wahrnehmung. Ein Beispiel hierfür ist der Handyreiseführer „Wikitude“, der die Wahrnehmung der User erweitert, indem er zusätzliche digitale Umgebungsinformationen, etwa zu Sehenswürdigkeiten, über das Kamerabild des Handys legt.

Im Zuge des Outernets wird auch eine Technik entwickelt, wodurch die physische Welt zur Website wird. Es sollen Objekte wie Autos, Plaktawände oder S-Bahnen angeklickt werden können, um auf Informationen, Dienstleistungen und Kommuniktionsangebote zugreifen zu können. Somit müssen Alltagsobjekte künftig als Schnittstelle oder potentielle Verkaufsfläche verstanden werden.

Alles Sichtbare wird unsichtbar und alles Unsichtbare wird sichtbar. So sollen Computer unsichtbar werden oder zumindestens so klein, dass sie in Alltagsgegenstände, unsere Kleidung und sogar unsere Körper integrierbar sind. Damit wären sie dann allgegenwärtige, intelligente Alltagshelfer.

Durch ein “Always-On” und “Always-Connected” werden Communities nicht mehr nur durch gemeinsame Interessen definiert, sondern vielmehr auch durch den Aufenthaltsort. Da Ort und Zeit gekoppelt werden, soll die Relevanz von Informationen gesteigert werden.

Die Entwicklung des Outernets wird vielfältige Auswirkungen und Ausprägungen haben. Verläuft die Entwicklung ähnlich wie beim Internet oder gar noch temporeicher, ungebremster und schneller, wird sich unsere Welt verändern, aber so rasant, dass wir es wahrscheinlich gar nicht mehr wahrnehmen werden.

Vorteil des Outernet wird eine Fülle an Informationen sein, mit denen wir uns nicht nur die Welt besser erschließen können, sondern die uns auch Kaufentscheidungen oder andere Auswahlprozesse, die der Alltag mit sich bringt, erleichtern. Schon heute kann man mit iPhone-Applikationen wie „Amazon mobile“ Produkte in Geschäften fotografieren, bekommt umgehend den günstigsten Anbieter angezeigt und kann das Produkt anschließend mit einem Klick kaufen. Durch das Outernet wird auch über neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle nachgedacht werden müssen. So könnte sich das ganz normale Geschäft vom “Point of Sale” zum “Point of Experience” wandeln, denn der stationäre Handel wird mit Millionen von Produkten zu konkurrieren haben, die zugleich Schaufenster und Kasse sind. Das passiert durch eine Vielzahl von Objekten, die zu Kommunikationsstellen und Verkaufsflächen werden.

Auch wenn wir diese vielleicht positiven Aspekte betrachten, stellt sich doch die Frage, brauchen wir das alles wirklich? Wo soll es dann noch hinführen, was wird die Steigerung sein?

Hierzu kann ich nur sagen: Herzlichen Willkommen in der schönen neuen Welt!


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6 Kommentare »

  1. Severin 9. Dezember 2009 um 23:37 - Reply

    … und hatte Platon mit seinem Höhlengleichnis vielleicht doch recht und wir alle nehmen statt der Realität nur die Schatten des Realen wahr, oder anders: Leben wir bereits jetzt in einer fiktionalen Welt ? ;)

  2. Marcel Meuters 10. Dezember 2009 um 00:48 - Reply

    Ich besitze zwar keine Ps3 aber dieses Petspiel sieht echt mal verdammt lustig aus ! Würde es glaub ich sogar kaufen.Gruß Marcel Meuters

  3. Alex 10. Dezember 2009 um 00:50 - Reply

    @severin

    Guter Ansatz! :)
    @marcel
    Es gibt im PlayStation Store einen weiteren Trailer dazu, ist recht spannend, aber… ich denke, in den meisten Wohnzimmern wird’s nicht richtig funktionieren, wenn man sich das Video anschaue: Perfekte Ausleuchtung etc.
  4. Markus 10. Dezember 2009 um 18:12 - Reply

    Spannende, neue Welt!Aber ich schätze, auch das wird die Menschheit bewältigen, sofern sie sich nicht vorher selber in die Luft sprengt (“Die Bombe”) oder grillt (Klimawandel). Den Generationen vor uns ging es zu Zeiten der beginnenden Industrialisierung wahrscheinlich auch nicht anders und wir haben es immerhin bis heute geschafft :-)

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